Idee

Ein vergessener Brauch und eine Alternative zum Tannenbaum

14.12.2020 / Bail, Lisa (Engagierte Stadt und Freiwilligenagentur Görlitz)

In diesem Monat erreichte uns im Familienbüro eine Anfrage besonderer Natur: persönlich gerichtet an eine bestimmte Mitarbeiterin des Vereins Görlitz für Familie e.V.: die Verfasserin dieser Zeilen. Es ging um eine alte Tradition, die Licht in diese dunkle Jahreszeit bringen könnte und kam von einem begeisterten Freund schlesischen Brauchtums, der mitten in der Görlitzer Altstadt zuhause ist. Ihm ist es ein persönliches Anliegen, eine ganz besondere vergessene Tradition wieder zu beleben: die schlesischen Licht-, Christ- oder Weihnachtszepter.

Durch Ausstellungsstücke im Schlesischen Museum zu Görlitz wurde er einst auf diesen alten Brauch aufmerksam und brach gegen anfängliche Widerstände in der eigenen Familie bald darauf mit der Tradition der heutzutage so verbreiteten Weihnachtsbäume. Mittlerweile sind die Zepter bei seiner ganzen Familie zuhause.  

Worum geht es ?

Die bis zu drei Meter hohen Zepter waren ursprünglich aus einer Spindel mit mehreren Holzreifen gefertigt. Die Reifen mit den 7-8 entstandenen sich nach oben hin verjüngenden Etagen wurden mit Kerzen, Glaskugeln, Lametta und allerlei anderen dekorativen Elementen festlich geschmückt und zur Weihnachts- und Neujahrsmesse in den Kirchen erleuchtet. Gegenwärtig sind am Görlitzer Postplatz zwei Exemplare zu bestaunen, die in gewöhnlichen, pandemiefreien Jahren den Görlitzer Christkindelmarkt zieren. 

Die Tradition geht bis in das 16 Jahrhundert zurück. Zum geschichtlichen Hintergrund kann man sich hier informieren:

Hintergrundinformationen auf der Homepage des Görlitzer Christkindelmarktes

Hier sind neben historischen Bildern auch Informationen darüber zu finden, wie und wo die Lichtbringer genau zum Einsatz kamen. Damals strahlten natürlich echte Kerzen auf den einzelnen Etagen der Zepter aber die bereits vorhandene Lichterkette leuchtet ebenfalls schön und birgt weniger Gefahren. 

Weihnachten ohne Tannenbaum?

Ehrlich gesagt, war ich schon länger auf der Suche nach einer schönen Alternative zu einem Weihnachtsbaum für die sich auch unsere Kinder begeistern lassen würden. Denn natürlich kann es nicht gut sein, einen Nadelbaum, der in einer Monokulturplantage heranwuchs, für einen kurzen Zeitraum mit Schmuck und Lichtern in unser Wohnzimmer zu stellen und ihn dann in den letzten Januarwochen neben der Biotonne entsorgen zu lassen.

Wie gerufen erreichte mich da das Angebot vom oben genannten Freund und Kenner des schlesischen Brauchtums, einen Bausatz für ein Lichtzepter zu erhalten, wenn ich doch nur mittäte und selbst die Wiederbelebung dieses Brauches unterstützen würde. Gesagt, getan: kaum hatten wir unseren persönlichen Bausatz aufgebaut und geschmückt, wurden Fotos davon nach Hannover, Wilhelmshaven, Oldenburg, Bremen und nach London geschickt –  zur Familie. Freunde wurden eingeladen (natürlich immer nur entsprechend der gegenwärtigen Kontaktbeschränkungen einzelne), um unser Lichtzepter anzusehen. Darunter auch eine Grafikdesignerin, die ebenfalls gleich das Potential der Zepter erkannte und so kam eines zum anderen. Kurzerhand erstellte sie einen Bauplan, den wir hie zur Verfügung stellen möchten:

Link Bauplan

Wir sind begeistert und hoffen darauf, dass der Bauplan fleißige Gestalter*innen inspirieren wird, um selbst eigene Christzepter zu erschaffen… Wir freuen uns auf ein leuchtendes Fest und darüber, dass sich die Zepter nach Weihnachten unkompliziert abbauen und platzsparend verstauen lassen;) 

Die Idee:

Dieses Jahr ist es natürlich zu spät für eine Großauflage aber wieso sollten zukünftig nicht in unserer Region gefertigte Licht- Christ- oder Weihnachtszepter in die Welt hinaus ziehen. Kleine Handwerksbetriebe, Ausbildungs- oder Behindertenwerkstätten könnten diese relativ simple Konstruktion vielleicht auf Bestellung anfertigen und direkt vermarkten. Die Zeit ist reif für den bereits von vielen Menschen angestrebten nachhaltigen Konsum und diese Zepter sind ideal, um Weihnachten nichts vermissen zu müssen und trotzdem die ganze Familie zu erfreuen. 



KONTAKT

Görlitz für Familie e.V.
Demianiplatz 7, 02826 Görlitz
Tel.: 03581 – 87 90 282
Fax: 03581 – 87 89 590
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