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Sprachen eröffnen Welten und Wege in eine neue Gesellschaft

21.09.2021 / Julia, Schlüter (Volkshochschule Görlitz)

Menschen mit Migrationsbiografie haben es ungleich schwerer in einer Stadt Anschluss zu finden als jene, die „einfach so“ neu in einer Region sind. Ein Ehrenamt ist eine super Möglichkeit für Zugewanderte, um Kontakte zu knüpfen, nette Menschen kennenzulernen und ganz nebenbei die deutsche Sprache anzuwenden.

Es reicht nämlich nicht aus, nur in der Schule im Deutschunterricht mit der Sprache zu arbeiten. Alltagsanwendung ist wichtig, um die deutsche Sprache zu festigen. Nur dann dient sie als Schlüssel für gelingende Integration.

 

Sprachliche Herausforderungen im Verein

Für Vereine gehört dabei weit mehr dazu als der gute Wille, Menschen mit Migrationshintergrund in einem Ehrenamt einzubinden. Es braucht langfristig ein permanentes Feedback zu Erlebtem und Gelerntem. Oft ist es so, dass in einer Einarbeitung viele Informationen weitergegeben werden. Es kann passieren, dass die engagierte Person immer freundlich nickt und lächelt und wenn man fragt, ob alles verstanden worden ist, sagt er oder sie „ja, natürlich!“.

In der Praxis kann es aber gut sein, dass dies nicht stimmt. Klar, ein grobes Verständnis des Sachverhaltes liegt vielleicht vor, aber was wirklich angekommen ist merkt man erst, wenn Missverständnisse offen zu Tage treten. In einigen Kulturkreisen hat es etwas mit Gesichtsverlust zu tun, zuzugeben, dass man etwas nicht verstanden hat. Andererseits ist es auch möglich, dass in einer großen Fülle von Informationen in Fremdsprache der Kopf so schnell voll ist, dass am Ende nix hängen bleibt.

Hinzu kommt, dass neben fehlender Sprachkenntnis auch oft ein grundsätzliches Verständnis für hiesige Strukturen fehlt. Welche großen Feste gibt es? Was ist eine Versicherung? Es bleiben Dinge unklar, die für uns Selbstverständlichkeiten sind.

 

Lösungsstrategien für Verein 

Es ist auf jeden Fall ratsam, wichtige Informationen zusätzlich noch einmal schriftlich herauszugeben. Da kann sich der/die Interessierte in der Nachbereitung mit auseinandersetzen, Worte nachschlagen, die unklar waren und sich alles Wichtige in eigenem Tempo einprägen. So fällt es auch viel leichter beim nächsten Treffen Fragen zu stellen.

Eine zweite gute Möglichkeit, um herauszufinden, wieviel verstanden wurde, ist es, nochmal um eine Wiederholung des Gesagten in eigenen Worten zu bitten. Hier sieht man auch sehr schnell, ob etwas komplett falsch angekommen ist.

Wie gut ein Mensch Informationen aufnehmen kann, erkennt man oft daran, ob er sich selbst in seiner eigenen Sprache Inhalte mitschreibt und ob er von sich aus viele Rückfragen stellt. 

Ermutigen Sie die Menschen dazu, sich zu trauen alles anzusprechen, was nicht verstanden worden ist. Es ist für viele schon eine große Hürde in einem neuen Umfeld zu agieren und mit dem Eingeständnis etwas nicht zu verstehen zeigt man seine Unsicherheit nach außen. So etwas muss gut aufgefangen werden. Wiederholen Sie alles noch einmal geduldig – wichtig ist es dabei, nicht so laut wie möglich zu sprechen, sondern so einfach wie möglich.

 

Leichte Sprache, eine Umschreibung eines Sachverhaltes mit einfachen Worten

Dies ist für uns oft schwer umsetzbar, für Menschen, die erst einmal nicht so viel verstehen, jedoch sehr wichtig. Bei Zugewanderten, die nicht ausreichend alphabetisiert sind, also nicht gut lateinische Buchstaben lesen und schreiben können, hat dies nochmal eine besondere Brisanz. Hier kann man mit schriftlichen Informationen nur sehr wenig erreichen und sollte die praktische Tätigkeit lange und ausführlich begleiten.

Sinnvoll ist es auch mit Icons und Bildsprache zu arbeiten und im persönlichen Gespräch sieht man auch über Mimik und Gestik sehr gut, ob man einander versteht.

Schön ist es auch, wenn der Verein offen ist, sich mit Erfahrungen der Person aus dem eigenen Herkunftsland auseinanderzusetzen. Beispielweise in der Arbeit mit Kindern ist es bereichernd, auch mal neue Spiele aus einem anderen Kulturkreis einzubinden. Dies vermittelt Wertschätzung an den oder die Ehrenamtliche und steigert das Selbstvertrauen.

Gut ist es auch, wenn es anfangs eine Ansprechperson gibt, zu der ein Vertrauensverhältnis aufgebaut wird und wo Unsicherheiten nach und nach abgebaut werden. Verständigungsprobleme sind nicht immer nur sprachlicher Natur. Manchmal gibt es auch ein grundweg unterschiedliches Verständnis von Verbindlichkeit und Pünktlichkeit.

Wenn man hier nicht klar vermittelt, wie der Verein sich die Mitwirkung vorstellt, kann dies auch zu Frustration führen. Eine klare Absprache von Regeln der Zusammenarbeit am Anfang kann hier sehr helfen, dies schafft für beide Seiten Sicherheit und Vertrauen und ist der Grundstein für ein gutes Miteinander.

 

Angebote der Volkshochschule im Bereich "Sprachen"

Für Menschen, die deutsch erst lernen bietet die Volkshochschule Kurse in den Niveaustufen A1 bis C2 an. Dazu bietet die Schule auch eine umfangreiche Beratung, welches Kursangebot das passende ist. Parallel dazu gibt es auch eine sozialpädagogische Begleitung. Möchte man sich als Engagierte oder Engagierter im Verein intensiver mit einer Fremdsprache auseinandersetzen, so bietet die Volkshochschule Görlitz auch dazu die entsprechenden Möglichkeiten.
Man kann hier bis zu 20 Fremdsprachen sowie Gebärdensprache lernen. 




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